Französische Schüler absolvieren Praktikum in Biberach

Mikael Lopez und Thibault Lemaire sind die ersten Schüler von der Berufsschule Lycée Professionnel Amblard, Valence, die ihr vierwöchiges Pflichtpraktikum bei ihrer Berufsausbildung außerhalb von Frankreich absolvieren. Und das mit Erfolg.

Durch eine bereits seit mehreren Jahren bestehende Schulpartnerschaft mit der Matthias-Erzberger-Schule (MES) in Biberach, die aus dem europäischen Comenius-Projekt „Minorities in Europe“ entstanden ist, hat sich nun ein Praktikantenmodell ergeben.

Die beiden Schüler Mikael und Thibault waren bereits im Jahre 2016 als Austauschschüler an der Matthias-Erzberger-Schule in Biberach. Durch die Nähe zum Zimmerer Ausbildungszentrum stand während ihres Aufenthaltes in Biberach auch eine Führung durch die Ausbildungsstätten der Zimmerer auf dem Programm. Und dieser Besuch war für die beiden Jungs aus Frankreich der Anlass, sich für ein Praktikum in Biberach zu bewerben.

„Damit zeigen wir, dass Europa lebt, sagt Christian Ochem von der MES. Er kümmert sich zusammen mit der Schulleiterin Hildegard Ostermeyer um die internationalen Kontakte der Schule. Dass junge Männer auf eigene Faust den Weg nach Biberach suchten, um dort ihr Pflichtpraktikum zu absolvieren, bezeichnen beide als europäischen Erfolg. „Aus der deutsch-französischen Schulpartnerschaft und aus den persönlichen Kontakten ist dieses Praktikumsmodell entstanden“, erläutert Hildegard Ostermeyer.

Markus Weitzmann und Anna Strahl vom Bildungszentrum Holzbau sahen die Anfrage bezüglich einer Kooperation von der MES positiv und unterstützten und begleiteten die beiden Schüler aus Valence während ihres vierwöchigen Aufenthalts in Biberach.

Mikael und Thibault schnupperten Werkstattluft zusammen mit den deutschen Lehrlingen in den Werkstätten des Zimmerer Ausbildungszentrum und verbrachten einen Teil Ihres Praktikums in der Zimmerei und Glaserei von Joachim Sälzle in Biberach-Warthausen.

Beide Praktikanten waren von den höflichen Umgangsformen in Schule und Betrieb fasziniert und betonten, dass auf dem französischen Arbeitsmarkt ein Auslandspraktikum besonders hoch gewertet wird.

„Bei uns gibt es keine duale Ausbildung wie in Deutschland. Wir lernen unser Handwerk in der Schule. Toll, was ich hier alles gelernt und gesehen habe“, meinte Mikael. Beide sind sich einig: „Diese neuen Erfahrungen sind sehr praktisch und das Auslandspraktikum hat sich auf alle Fälle gelohnt“.

Auch Markus Weitzmann, Leiter des Bildungszentrums Holzbau, sieht das ähnlich und ergänzt: „Jeder Austausch bringt einen Mehrwert – menschlich und auf fachlicher Ebene.“

Allerdings wurde nicht nur auf den berufsbezogenen und fachlichen Teil dieses Auslandspraktikum wert gelegt, auch kulturelle Aspekte blieben nicht außen vor: Die beiden französischen Schüler unternahmen viel mit ihren ‚alten‘ Freunden aus der Matthias-Erzberger-Schule und vertieften die bestehenden Freundschaften.

Christian Ochem und Anna Strahl unternahmen einen Ausflug nach Ulm mit den beiden Praktikanten und bei einem gemeinsamen Bummel durch die Ulmer Fußgängerzone, das Fischerviertel und entlang der Donau verging die Zeit wie im Fluge. Auch die Besichtigung des Ulmer Münsters war ein Highlight für Mikael und Thibault.

Joachim Sälzle lud die beiden Jungs zu einem besonderen Erlebnis ein: Am Dienstagabend in der letzten Woche ihres Praktikums hieß es „heute kochen wir gemeinsam Schwäbische Kässpätzle“ – und beide berichteten begeistert von diesem amüsanten Erlebnis und meinten „bei uns nennt man das Gratin und es schmeckte fast wie bei uns daheim.“

Mit einem gemeinsamen Abschlussessen und der Zertifikatsübergabe endete die vierwöchige Praktikumszeit für Mikael Lopez und Thibault Lemaire. Am Freitagabend ging es mit dem Fernbus von Ulm aus zurück nach Valence.

Ein besonderer Dank gilt den Ausbildungsmeisten Andreas Beck, Rolf Willimowski und Volker Bargen-Günscht, die die beiden französischen Praktikanten geduldig und herzlich in ihren Werkstätten aufnahmen und neben ihren ‚normalen‘ Lehrlingen unterrichteten, was durch die sprachliche Herausforderung ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand an Engagement bedeutete.

Und ein weiteres besonderes Dankeschön geht auch an Herrn Joachim Sälzle, der sich bereit erklärte, beiden Schülern einen Einblick in eine deutsche Zimmerei zu bieten, was in den Wintermonaten nicht gerade einfach zu leisten ist.


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