Britische Azubis vom Bishop Auckland College lernen vierzehn Tage in Biberach

Ein Bericht von Christian Koch

Am Samstag, 9. Juli, reiste unser neu gewonnenes Partnerinstitut aus England, das Bishop Auckland College, mit einer ersten Gruppe in Biberach an. Die zwölf britischen Auszubildenden und ihre drei Betreuern wurden nach  einer kleinen kulinarischen Stärkung im Lehrlingswohnheim eingecheckt, bevor sie sich auf den Weg machten, Biberachs Innenstadt zu erkunden.

Zum Start der ersten Woche wurden die Gäste im CJD offiziell durch unser internationales Team David Masey und Wolfgang Schafitel begrüßt und ihrem Ausbildungsmeister für die nächsten zwei Wochen, Chrisitan Koch, vorgestellt. Im Anschluss ging es direkt in die Werkstatt, wo die Kursinhalte der kommenden Zeit besprochen wurden.Jeder Azubi wurde einer Hobelbank zugeteilt und durfte hier auch gleich sein Werkzeug auf Vollständigkeit überprüften.

Die Jungs machten erstaunte Gesichter, als sie das Werkzeug des deutschen Zimmerermanns sahen und folgten gespannt der Werkzeug-Einführung. Es wurden die Handhabung von Stoßaxt, Handhobel, das Schärfen von Werkzeug, Zimmererstemmeisen und die Gestellsäge demonstriert. An den folgenden zwei Tagen folgten Einweisungen und Demonstrationen von Eck- und Längsverbindungen (Druckblatt, Schwalbenschwanz, Hackenblatt, Gerberst etc.).

Sämtliche Themen wurden zuerst an der Tafel durchgesprochen, vom Holzanriss bis zur Ausarbeitung und danach hieß es „ran ans Holz“. Die britischen Auszubildenden waren bunt gemischt vom 1.-3. Lehrjahr. Die Arbeiten wurden durch die englischen Lehrer begleitet und unterstützt. In den darauffolgenden Tagen kamen dann Versätze und ein doppeltes Häng- und Sprengwerk dazu.

Nach der arbeitsreichen ersten Woche in der Werkstatt standen Montag und Dienstag in der zweiten Woche „company and site visits“ auf dem Programm. Um 8:00 Uhr startete die Gruppe am Montag zur Firma Mühlschlegel in Oberessendorf. Hier wurde das breite Spektrum eines modernen Holzfachmarktes besichtigt und die Produktvielfalt der attraktiven und großzügigen Ausstellungsfläche sowie des Holzlagers in Augenschein genommen. Der zweite Stopp wurde bei Holzbau Gröber in Füramoos gemacht. Bei der Führung durch die Produktionshallen konnten die einzelnen Schritte der Herstellung von verleimten Tragwerkskonstruktionen mit Spannweiten bis zu 50 Metern und mehr bestaunt werden. Das nächste Ziel hieß Reinstetten, wo zuerst die Zimmerei und Dachdeckerei Schafitel besichtigt wurde. Da den „kühlen“ Engländern das schwül-warme Wetter sehr zu Schaffen machte, gab es von der Chefin des Betriebes eine willkommene Abkühlung in Form von Eis und kalten Getränken. Im weiteren Tagesverlauf wurden noch zwei Baustellen angefahren, bei denen die verschiedenen Fertigungsstufen besichtigt wurden.

Der Dienstag begann mit einem besonderen Biberacher Ereignis für unsere Gäste: zusammen mit den Ausbildern und Lehrlingen des Zimmerer Ausbildungszentrums machte man sich auf den Weg in die Biberacher Innenstadt, um den Schützenfest-Umzug live mitzuerleben. Begeistert und mit vielen interessanten Eindrücken kamen unsere Gäste zum Mittagessen zurück, bevor es dann mit Teil 2 der Exkursion weiterging.
Das heutige Ziel hieß best wood Schneider in Eberhardzell: Nach einer kurzen Powerpoint Einführung in die Firmengeschichte ging es zur Werksbesichtigung durch die verschiedenen Produktions- und Werkhallen. Die hoch informative Führung zeigte die komplette Bandbreite des europaweit agierenden Unternehmens. Mit ca. 300 Mitarbeitern werden hier alle statisch belasteten Holzprodukte für den modernen Holz- und Passivhausbau hergestellt. Das Handy voller Fotos und den Kopf gefüllt mit neuem Wissen und Erkenntnissen ging die Fahrt zurück nach Biberach.

Am Mittwoch ging die praktische Ausbildung in der Werkstatt weiter, wo das Spreng- und Hängewerk durch die Sparren ergänzt wurden. Als dann alle drei Dächer aufgerichtet waren, gab es eine kurze Einführung in die Tradition des Zimmererhandwerks- mit einem kleinen Richtfest. Tutor Gary Bainbridge hielt einen Richtspruch auf Englisch und alle waren hoch begeistert.

Weitere Themen der Woche waren:
-Kurzer Einblick in den EDV Abbund mit Anreisen eines Normalsparrens mit Alphawinkel und EDV Abbundplan.
-Senkelschiften mit Aufriss eines Gratsparrens.
-Luftdichtheit mit Blower Door Test und den verschiedenen Industrieherstellern und Dämmstoffen.

Am Freitag hieß es dann langsam Abschied nehmen: der letzte Tag war gekommen und es hieß Werkstatt aufräumen und Sachen packen für die Heimreise. Als letzte Aufgabe hatte unser Ausbildungsmeister eine spezielle Herausforderung für das ganze Team aus England – der Bau der „Da Vinci Brücke“. Vorgabe war, mit einer bestimmten Anzahl von Hölzern eine Brücke zu bauen, die ohne Schrauben und Nägel konstruiert werden sollte. Am Anfang taten sich die Jungs ein wenig schwer, aber durch kleine Hilfestellungen kamen sie letztendlich auf die Lösung und es wurde eine Brücke symbolisch von „Bishop Auckland Collage zum Zimmerer Ausbildungszentrum Biberach“ erbaut.

Zum Abschluss wurde jedem Teilnehmer ein Zertifikat mit Timmy überreicht und bei einem gemütlichen gemeinsamen Grillen ließ man den letzten Tag ausklingen.


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